Antworten der MA 26 auf unsere Petitionen

Petition „Bauprojekt Eislaufverein / Hotel Intercontinental – Höhenkontrolle“; Beantwortung nach der Behandlung im Petitionsausschuss

 

Sie haben am 01. April 2014 die oben angeführte Petition eingebracht. Nach Erreichen der erforderlichen 500 Unterstützungen wurde Ihre Petition am 03. Juli 2014 im Gemeinderatsausschuss für Petitionen und BürgerInneninitiativen (Petitionsausschuss) in Behandlung genommen und die Einholung von Stellungnahmen der zuständigen amtsführenden Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung, Frau Vizebürgermeisterin Mag.a Maria Vassilakou, sowie des Bezirksvorstehers für den 3. Wiener Gemeindebezirk, Herrn Erich Hohenberger beschlossen.

Auf Grund der eingelangten Stellungnahmen wurde im Petitionsausschuss in der Sitzung am 19. September 2014 gemäß § 2 Abs. 3 Z 1 Gesetz über Petitionen in Wien, LGBl. Nr. 2/2013 idgF die Behandlung dieser Petition begründet abgeschlossen.

Gemäß § 2 Abs. 4 Gesetz über Petitionen in Wien ist die Petition nach Behandlung im Petitionsausschuss durch die für Petitionen zuständige amtsführende Stadträtin bzw. den für Petitionen zuständigen amtsführenden Stadtrat schriftlich gegenüber der Einbringerin bzw. dem Einbringer zu beantworten und der Petitionsausschuss über die Beantwortung in Kenntnis zu setzen. Diese Beantwortung ist überdies im Internet zu veröffentlichen.

Es darf die Petition daher im Auftrag der für Petitionen zuständigen amtsführenden Stadträtin im Sinn der eingelangten Stellungnahmen wie folgt beantwortet werden:

Die amtsführende Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung, Frau Vizebürgermeisterin Mag.a Maria Vassilakou führte im Wesentlichen Folgendes dazu aus:

„Beginnend mit den ersten Planungsüberlegungen für den angesprochenen Bereich Hotel InterCont-Eislaufverein nahm das Thema der Kompatibilität eines zukünftigen Projektes mit dem Status des UNESCO-Weltkulturerbes „Historisches Stadtzentrum von Wien“ breiten Raum in den Diskussionen ein.

Die Stadt Wien entschloss sich in Abstimmung mit dem Grundeigentümer sowohl auf Grund der ausgesprochen sensiblen Lage (Übergang Kern- zur Pufferzone des UNESCO-Weltkulturerbes) als auch bedingt durch die äußerst komplexen Anforderungen an das zukünftige Projekt selbst eine für Wien vollkommen neue Herangehensweise zur städtebaulichen Entwicklung dieser Grundfläche zu wählen.

In einem kooperativen Dialogverfahren wurden Stakeholder und ExpertInnen aus unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen eingeladen mit ExpertInnen der Stadt Wien, den zukünftigen NutzerInnen und dem Grundeigentümer zu diskutieren, unter welchen Rahmenbedingungen ein zukünftiges Projekt entwickelt werden kann. Konkret bedeutete dies, dass beispielsweise VertreterInnen des österreichischen Bundesdenkmalamts, RepräsentantInnen von ICOMOS Österreich sowie ExpertInnen aus dem Ausland mit Erfahrungen in Welterbeangelegenheiten (u.a. Prof. Kunibert Wachten und Dipl.-Ing. Michael Kloos von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen) an diesem moderierten mehrstufigen Prozess mitwirkten und ihre Sichtweisen einbrachten.

Die derzeitige Situation stellt sich derzeit in der Form dar, dass der 21.000 m2 große Baublock eingegrenzt durch die Lothringerstraße, die Johannesgasse, Am Heumarkt, die Lisztstraße eine Barriere im Stadtgefüge darstellt. Derzeit besteht keine Möglichkeit einer fußläufigen Querung zwischen den Bezirken Innenstadt und Landstraße. Auf diesem Baublock befindet sich das im Jahr 1964 eröffnete Hotel Intercontinental. Die Höhe des Baukörpers vom Straßenniveau aus gesehen beträgt ca. 45 Meter. Am Dach selbst sind zusätzliche Dachaufbauten situiert, die mehrere Meter hoch sind. Angrenzend an das Hotel befindet sich der ca. 6.000 m2 große Wiener Eislaufverein. Dieser Teil des Baublocks ist sowohl aus städtebaulicher als auch aus architektonischer Sicht als sehr negativ einzustufen. Die Eisfläche ist von schmucklosen Zubauten aus den vergangenen Jahrzehnten umgeben. Die Gesamtfläche (Hotel und Eislaufverein) beträgt ca. 15.000 qm.

Diese beiden Bauplätze liegen am Rand der Kernzone des Weltkulturerbes, sind jedoch als einziger Bereich nicht als Schutzzone nach § 7 der Wiener Bauordnung (Ensembleschutz) verordnet und haben keinen denkmalgeschützten Baubestand. Neben dem Hotel Intercontinental und dem Wiener Eislaufverein befindet sich als dritter Nutzer auf diesem Baublock das im Jahr 1913 eröffnete Wiener Konzerthaus. In den letzten Jahren war es bedauerlicherweise nicht möglich, eine qualitätsvolle Verbesserung dieser städtebaulichen Situation an diesem für Wien so traditionsreichen Ort herbeizuführen. Dies war primär auf den Umstand zurückzuführen, dass es verschiedene Grundeigentümer mit unterschiedlichen Interessen gab. Nachdem sich die beiden privaten Liegenschaften Hotel Intercontinental und Wiener Eislaufverein nunmehr im Eigentum einer einzigen Gesellschaft befinden, bietet sich für Wien die einmalige Chance das gesamte Areal in einer Form städtebaulich zu entwickeln, dass sich ein Mehrwert nicht nur für die drei verschiedenen NutzerInnen (Hotel, Eislaufverein, Konzerthaus), dem Eigentümer, sondern vor allem für die Wiener Bevölkerung ergibt.

Denn es ist das Ziel, ein städtebauliches Gesamtensemble für diesen Baublock zu entwickeln. Die Eisfläche des traditionsreichen Wiener Eislaufvereins soll in ihrer gesamten Fläche erhalten bleiben. Das bestehende Hotel soll adaptiert werden und um halböffentliche Nutzungen sowie Wohnungen und Büroflächen ergänzt werden. Das derzeit abgeschottete Gebiet soll außerdem öffentlich zugänglich gemacht und die Durchwegung mit mehreren öffentlichen Wegen erleichtert werden.

Des Weiteren sollen die öffentlichen Straßenräume neu gestaltet werden. Mit einem geplanten großzügigen Vorfeld vor dem Eislaufverein und dem benachbarten Konzerthaus soll gegenüber der jetzigen Situation ein attraktiver öffentlicher Raum am Rande des Wiener Stadtzentrums geschaffen werden.

Wesentlich ist, dass das denkmalgeschützte Gebäude des Wiener Konzerthauses ein bedeutend attraktiveres Vorfeld im Vergleich zum jetzigen Zustand erhalten würde. Das Wiener Konzerthaus ist zentraler Bestandteil des Wiener Musiklebens, das durch die höchste musikalische Qualität internationale Maßstäbe setzt. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass die Flächen und Räume des Eislaufvereins und des Hotels auch vom Konzerthaus für dessen Zwecke genutzt werden können. Im Sommer soll die Eisfläche für kulturelle Nutzungen zur Verfügung stehen, die inhaltlich und funktional mit dem Konzerthaus korrespondieren.

Die Gesamtheit dieser Maßnahmen würde zu einer wesentlichen Aufwertung des Wiener Konzerthauses beitragen, womit ohne Zweifel auch die weltweit anerkannte Rolle Wiens als musikalische Hauptstadt Europas zusätzlich unterstrichen werden würde. Bekanntlich ist das Faktum, dass Wien weltweit als musikalische Hauptstadt Europas anerkannt ist, eines der drei Gründe für die Nominierung des historischen Stadtzentrum Wiens als UNESCO-Weltkulturerbe im Dezember 2001.

In den Fachdiskussionen des kooperativen ExpertInnenverfahrens zeigte sich unter anderem, dass bei der weiteren Projektentwicklung vermieden werden sollte, den Focus allein auf die Höhenfrage zu richten. Bedeutender erschien es – so die überwiegende Zahl der Fachmeinungen – den Blickwinkel auf die stadträumlichen Qualitäten zu richten. So kann unter Umständen – vereinfacht formuliert – ein schlankerer, höherer Baukörper die Authentizität des Welterbes Wiener Innenstadt weniger beeinträchtigen als ein niedriger, in seiner Ausformung aber sehr massiver Baukörper.
Nach mehr als zwei Jahren intensiver ExpertInnendiskussion fand am 26. Februar 2014 die finale Jurysitzung für die Neugestaltung des Areals Eislaufverein-Hotel InterCont-Wiener Konzerthaus statt. Die international hochrangigst besetze Jury wählte das Projekt des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld zum Sieger des Architektur- und Freiraumgestaltungswettbewerbs.

Im Rahmen der Jurysitzung wurde eingehend über die Frage der Höhe und die Kompatibilität mit dem Status des UNESCO Welterbes diskutiert. Schlussendlich wurden von der Jury jene Projekte ausgeschieden, die höhenmäßige Entwicklungen über 80 Meter vorsahen. Die Jury orientierte sich bei der Auswahl des Projekts von Architekt Isay Weinfeld mit einem Hochpunkt von knapp 73 Meter nicht zuletzt auch an der seinerzeit mit den Gremien der UNESCO und von ICOMOS für diesen Glacisbereich diskutierten Höheorientierung von rund 70 Meter.

Im Zuge einer sogenannten Mission der UNESCO besuchte im Mai 2002 Prof. Francesco Bandarin in seiner damaligen Funktion als Direktor des UNESCO Welterbezentrums Wien, um Gespräche über die damals angedachte Höhe von 97 Meter zu führen. Als Resultat dieser Fachgespräche sowie auf Grund von Abstimmungen mit den Gremien der ICOMOS wurde die Entscheidung getroffen, dass in diesem sensiblen Bereich im Übergang von der Kern- zur Vorstadt ausschließlich Projekte in einer Größenordnung von rund 70 Meter dem Standort adäquat sind. Konkret wurde das Projekt „Wien Mitte“ auf Initiative der Stadt Wien im Sinne der UNESCO und von ICOMOS höhenmäßig reduziert, um sich am Rahmen von rund 70 Meter zu orientieren.
Des Weiteren erfolgte Anfang der 2010er Jahre eine Abstimmung mit den Gremien der UNESCO und ICOMOS dahingehend, dass für den Bereich des Donaukanals auf der Seite der Leopoldstadt – die durch die Wiederaufbauarchitektur der 1960er Jahre geprägt ist – eine Hochhausentwicklung ebenfalls in der Höhe von ca. 70 bis 80 Meter dem Standort adäquat sei. In der UNESCO Komiteesitzung vom Juni 2011 wurde diese höhenmäßige Orientierung zur Kenntnis genommen.

Das Areal Eislaufverein-Hotel InterCont-Konzerthaus befindet sich so wie das Projekt „Wien Mitte“ im Nahbereich des Stadtparks im Bereich des ehemaligen Glacis. So wie der Donaukanal wurde das städtebauliche Umfeld entlang des Wienflusses ebenfalls durch Kriegseinwirkungen stark in Mitleidenschaft gezogen und durch Projekte aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt.

Wichtig bei der Juryentscheidung war die Tatsache, dass das projektierte Hochhaus von Architekt Weinfeld als Punkthochhaus und nicht als Scheibe im Stadtbild in Erscheinung treten wird, um den Forderungen der UNESCO, das Weichbild der Stadt nicht negativ zu beeinträchtigen, zu entsprechen.

In der 35. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees im Juni 2011 wurde die Entscheidung getroffen, dass eine sogenannte „joint World Heritage Centre / Icomos reactive monitoring mission“ (je ein Experte bzw. Expertin von der UNESCO und von Icomos Internationaler Rat für Denkmalpflege, ICOMOS) Wien besucht.

Im Herbst 2012 fand dieser ExpertInnenbesuch statt. Ziel war es, sich auf Grund der Vielzahl an unterschiedlichen städtebaulichen Entwicklungen im Nahbereich zu den beiden Welterbegebieten „Historische Innenstadt“ und „Schloss und Parkanlage Schönbrunn“ einen Überblick vor Ort zu verschaffen.

Prioritär standen die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Hauptbahnhof im Nahebereich zum Belvedere im Vordergrund. Die ExpertInnen in Sachen Welterbe kamen in ihrer Beurteilung vom Frühjahr 2013 zum Schluss, dass die damals vorgestellten Projekte keinen negativen Einfluss auf den Welterbestatus darstellen, jedoch die Planungsstrategien dahin gehend zu adaptieren wären, dass bei zukünftigen Projekten eine noch optimalere Abstimmung zwischen den Interessen der Stadtentwicklung und des Welterbes erfolgt. Dies führte u.a. zur gegenwärtigen Ausarbeitung des Masterplans Glacis (Studie über die möglichen städtbaulichen Potentiale und Restriktionen im Glacisbereich) und zur Überarbeitung des Wiener Hochhauskonzepts, welches aus dem Jahr 2002 stammt.

Zusammenfassend ist zu betonen, dass Wien den Status des UNESCO-Welterbes aus dem Grund zuerkannt bekommen hat, da die Entwicklung einer europäischen Stadt – vom Mittelalter bis zur Gegenwart – im Stadtbild ablesbar ist. Die städtebauliche Entwicklung Wiens wird in diesem Sinne fortgeschrieben, nicht zuletzt um auf die dynamische Bevölkerungsentwicklung der Stadt zu reagieren.“

Der Bezirksvorsteher für den 3. Wiener Gemeindebezirk führte zur Petition an, dass derzeit keine Stellungnahme abgegeben werden könne. Ergänzend brachte er vor, dass die Voraussetzungen für eine mögliche positive Stellungnahme zu den Projekten derzeit nicht gegeben seien, da es noch keine Einigung zwischen dem Wiener Eislaufverein und der Wert Invest gebe. Diese Einigung sei aber unbedingt notwendig, da für den Bezirk Landstraße der Fortbestand des Eislaufvereins an oberster Priorität stehe.

Der Petitionsausschuss folgte im Ergebnis der Stellungnahme der amtsführenden Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung, Frau Vizebürgermeisterin Mag.a Maria Vassilakou insbesondere im Hinblick auf die Ausführungen zu den Verfahren der BürgerInnenbeteiligung im Zusammenhang mit der gegenständlichen Projektentwicklung.

Daher wurde in dieser Sitzung eine Empfehlung beschlossen, dass die mit diesem Projekt befassten Stellen auch weiterhin eine größtmögliche Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei allen weiteren Verfahrensschritten vorsehen.

Mit dieser Empfehlung fasste der Petitionsausschuss daher – wie oben erwähnt – den Beschluss, die Behandlung begründet abzuschließen, da seit dem Jahr 2012 im Rahmen eines kooperativen Dialogverfahrens Anrainerinnen und Anrainer, Bürgerinnen und Bürger sowie die Bezirksvertretung ausführlich über den Fortgang der Projektentwicklungen informiert wurden und in den Planungsverlauf involviert waren. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass mit einer Fortsetzung dieses Konsultations- und Informationsprozesses – unter Einbindung der Vertreter von ICOMOS und UNESCO, internationaler Experten, der interessierten Öffentlichkeit und den Projektentwicklern – ein städtebaulich optimiertes Ensemble entwickelt wird.

Die eingeforderten Stellungnahmen sind auch auf der Petitionsplattform veröffentlicht.

Abschließend darf ich Ihnen mitteilen, dass der Status Ihrer Petition auf der Online- Plattform nunmehr auf „Beendet“ gesetzt wird.

 

Besonders bemerkenswert ist, daß für zwei unterschiedliche Petitionen (zwar zum gleichen Projekt) die gleiche Stellungsnahme verschickt wurde!

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