Auch Künstler melden sich zu Wort..

Brief von Herrn Prof. MMag.Gerhard Gutruf an Herrn Bürgermeister Häupl

Herr Bürgermeister Häupl präzisiert diese sportlich-ambitionierte Ansage folgendermaßen: „denn eine rasant wachsende Stadt wie Wien braucht eine klare, konsequente Politik der permanenten Erneuerung.“
Die „Permanente Revolution“ Leo Trotzkis, an die dieser Spruch erinnert (übrigens auch an eine mexikanische Partei) meint eine Umgestaltung der Nation unter der Leitung des Proletariats. . . .
Ich nehme an, dass Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister, nicht vorhaben, die Nation umzugestalten. Aber ich fürchte, dass Sie – mittels geschicktem Einsatz grüner Amtsträgerinnen – dabei sind, Wiens Stadtbild unwiederbringlich zu ruinieren. Dann ist es aus mit dem „Gesamtkunstwerk Wien“ (Zitat aus Wien at).

Wenn Wiens noch immer spektakulärster Blick, der oft angesprochene „Canaletto-Blick“ vom Belvedere, einmal durch einen überdimensionierten Hochhaus-Klotz zerstört ist, kippt das Stadtbild.
Wien ist dann nicht Mehr-Wert.

Übrigens ist die Qualität des Entwurfs von Isay Weinfeld für den geplanten, faschistoid anmutenden Eislauf-Vereins-Klotz keineswegs international unumstritten, wie Ihr Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny in seinem Schreiben an mich vom 28.8.2015 meint:

  • Einer der weltweit bedeutendsten Architekturtheoretiker, der em. Harvard-Professor Dr.Dr. Eduard Sekler ist ebenso gegen den Bau des Toyner-Turms (Brief vom 19. Oktober 2015) wie z.B.
  • der große österreichische Architekt Gustav Peichl, der dieses Thema im Kunstsenat zur Sprache bringen will
  • sowie zahlreiche Fachleute, Kulturmenschen und Touristen und Touristinnen

Deshalb erlaube ich mir anzuregen, dieses unselige, einer nicht unbedenklichen Wachstums-Euphorie entsprungene Projekt sofort zu stoppen. Übrigens ist auch in Ihrem ursprünglichen Fachgebiet Biologie übermäßiges Wachstum als gefährlich eingestuft.
Damit würde neben den drohenden negativen ästhetischen Auswirkungen auch verhindert, dass der Profit Einzelner über den allgemeinen Anspruch auf den unverwechselbaren Charme Wiens gestellt wird.

Ich hoffe, dass Sie meine Überlegungen und Argumente persönlich erreichen und überzeugen können.

Bild: © Gerhard Gutruf

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