Beschluß des Welterbekomitees

Beschluß des Welterbekomitees über das historische Zentrum Wiens, Istanbul, Juli 2016

Historisches Zentrum von Wien (Österreich) (C 1033)

Beschluss 40 COM 7B.49

Das Welterbekomitee:

1. nach Prüfung von  Dokument WHC/16/40.COM/7B.Add
2. eingedenk des Beschlusses 39 COM 7B.94, angenommen bei seiner 39. Sitzung  (Bonn, 2015),
3. auch eingedenk der von der Mission im Jahr 2012 geäußerten Besorgnis betreffend die städtebauliche Entwicklung seit der Eintragung in die Welterbeliste und ihre kumulative Wirkung auf den außergewöhnlichen universellen Wert  (OUV) der Welterbestätte sowie die Notwendigkeit neuer Instrumente, um den Entwicklungsprozess auf eine nachhaltige Entwicklung auszurichten, welche die Eigenschaften des außergewöhnlichen universellen Werts (OUV) schützt
 4. vermerkt die vom Vertragsstaat zur Verfügung gestellte Information über den Stand der  Umsetzung des geplanten Wiener Eislaufverein – Intercontinental Hotel – Wiener Konzerthaus Projektes,
5. zeigt sich besorgt, dass das Hochhauskonzept Ausschlusszonen für Hochhäuser im Stadtgebiet von Wien abschafft, ohne entsprechende Kontrollinstrumente für Höhe, Volumen und städtische Dichte eingerichtet zu haben, die den außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte entsprechend respektieren; und dass der Masterplan Glacis die Konstruktion von Bauten erlaubt, die einen gegenteiligen Einfluss auf städtebauliche Form und Charakter des Glacisgebietes hätten;
 6. vermerkt die Empfehlungen der Mission 2015 zur Welterbestätte und ersucht den Vertragsstaat, ihre Empfehlungen umzusetzen, und im Besonderen den Gebrauch der bestehenden Planungsinstrumente auf den Schutz des außergewöhnlichen universellen Wertes (OUV) der Welterbestätte auszurichten, einschließlich der Unversehrtheit und Originalität, wie im Managementplan und damit verbundenen Rechtsinstrumenten wie lokale Gesetze über Schutzzonen (Ensembles, Pufferzone usw.) und Richtlinien zur Stadtentwicklung dargelegt sind;
 7. ersucht gleichfalls den Vertragsstaat, die Bereitstellung überarbeiteter Planungsrichtlinien zu unterstützen, welche:

  1. für Kern- und Pufferzone Kennziffern für städtebauliche Dichte ebso festlegen wie spezielle Richtmaße für Gebäudehöhen und Volumen,
  2. die Stadtmorphologie erhalten, die ein wesentliches Merkmal der Welterbestätte ist,
  3. nachhaltige Entwicklung in Kern- und Pufferzone der Welterbestätte in Übereinstimmung mit seinem außergewöhnlichen universellen Wert (OUV) anregen,
  4. fordern, dass alle Hochhausprojekte einer umfassenden Welterbeverträglichkeitsprüfung (HIA) unterworfen werden, die in Übereinstimmung mit der 2011 von ICOMOS herausgegebenen Richtlinie für Welterbeverträglichkeitsprüfungen (Guidance on Heritage Impact Assessments for Cultural World Heritage Properties) einschließlich 3D-Visualisierungen, damit die Auswirkungen der vorgeschlagenen Projekte auf den außer-gewöhnlichen universellen Wert (OUV) der Welterbestätte entsprechend beurteilt werden können.
8. ersucht dringend den Vertragsstaat, alle weiteren Genehmigungen für Hochhausprojekte während der Überarbeitung der Planungsrichtlinien zu stoppen, und die Vorgeschlagenen Entwürfe zusammen mit den darauf bezogenen Welterbeverträglichkeitsprüfungen (HIAs) für künftige Hochhausprojekte dem Welterbezentrum und seinen beratenden Körperschaften in Übereinstimmungmit Art. 172 der Operationals Guidelines zur Überprüfung zu senden;
 9. obwohl es die Entscheidung des Vertragsstaates, die Änderung des Flächenwidmungsplanes für das Projekt Wiener Eislaufverein – Hotel Intercontinental – Wiener Konzerthaus nicht weiterzuverfolgen, zur Kenntnis nimmt, drückt es dennoch seine Sorge aus, dass das vorgeschlagene Projekt keine Rücksicht auf die Empfehlungen der Mission von 2012 nimmt und im Gegenteil den außergewöhnlichen universellen Wert (OUV) der Welterbestätte beeinträchtigen würde, wenn es in seiner gegenwärtigen Form durchgeführt würde. Es ersucht dringend den Vertragsstaat, eine größere Revision dieses Entwurfs dahingehend zu unterstützen, um:

  1. die Höhe des vorgeschlagenen Baues zu reduzieren, um den Empfehlungen des Berichtes der Mission 2012 Rechnung zu tragen,
  2. Maßstab und Baumasse in Bezug auf Charakteristika der Lage und des außergewöhnlichen universellen Wertes (OUV) der Welterbestätte zu berücksichtigen,
  3. den Entwurf mit den Eigenschaften der speziellen Lage zu harmonisieren, welche ein integraler Bestanteil der Welterbestätte ist,
  4. die visuelle Beeinträchtigung des vorgeschlagenen Gebäudes sowohl auf das nähere städtische Umfeld als auch auf die Sicht auf das Historische Zentrum Wiens zu reduzieren;
10. ersucht weiters den Vertragsstaat, in Übereinstimmung mit Art. 172 der Operational Guidelines, einen überarbeiteten Entwurf dem Welterbezentrum zur Überprüfung durch die beratenden Körperschaften zu übermitteln, bevor irgendwelche Genehmigungen zu seiner Umsetzungen erfolgen; 
 11. ersucht abschließend den Vertragsstaat, dem Welterbezentrum bis 1. Februar 2017 einen aktualisierten Bericht über den Erhaltungszustand der Welterbestätte und die Umsetzung der vorstehenden Punkte zwecks Prüfung durch das Welterbekomitee bei seiner 41. Sitzung 2017 vorzulegen mit der Aussicht einer möglichen Eintragung der Welterbestätte in die Liste des Welterbes in Gefahr für den Fall der Bestätigung einer festgestellten oder auch möglichen Gefährdung des außergewöhnlichen universellen Wertes (OUV).

 

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