Ein städtebaulicher Amoklauf der Wiener Stadtregierung!

Pressemeldung der Initiative Denkmalschutz vom 10. März 2014

Wiener Eislaufverein: Initiative Denkmalschutz zum Hochhausprojekt: Ein städtebaulicher Amoklauf der Wiener Stadtregierung! – Eine Stadt ohne Stadtbild-Ästhetik! 

 

„Man schaue doch nur vom Belvedere herab auf die Stadt und fühle den Schmerz, wie da einer die Silhouette Wiens mit einem massiven Klotz für immer verschandelt hat.“

Das Zitat stammt nicht von einem zukünftigen Schloss Belvedere Besucher, wenn er nach Fertigstellung des aktuell projektierten Hochhauses am Eislaufverein auf das historische Stadtzentrum schauen und den berühmten Canaletto-Blick betrachten sollte, sondern vom berühmten Maler Oskar Kokoschka bereits Anfang der 1960er Jahre anlässlich des neu errichteten Gartenbauhochhauses am Parkring und der damit verbundenen ersten Wiener Hochhausdebatte der Nachkriegszeit. Wenige Jahre später bekam das Gartenbauhochhaus wenige hundert Meter entfernt einen „Zwilling“ am Heumarkt, das Hotel Intercontinental, und auch damals ging die Debatte weiter. Der Architekturkritiker Friedrich Achleitner 1964 zum „Monsterhotel“: „Schon städtebaulich ist der Koloß ein Fremdkörper (…). Allein die Höhe wäre fragwürdig, auch wenn es sich um das empfindsamste bauliche Gebilde handeln würde.“ Und so wurde nach heftigen Diskussionen zur Erhaltung des „Canaletto-Blickes“ vom Belvedere das Hochhaus um etwa 10 Meter reduziert. Nun soll ernsthaft ein alle Maßstäbe sprengendes knapp 30 Meter größeres Hochhaus am Wiener Eislaufverein geplant sein? Man kann es kaum für möglich halten.

Welches Stadtbild, wenn nicht der Blick vom Belvedere sollte den größten Schutz verdienen?

Die Städtebaulichen Leitlinien für Hochhäuser in Wien definieren aufgrund des Stadtbildes(!) Hochhausausschlusszonen (Magistratsabteilung 18, 2002, S. 11f.). Zwischen Stephansdom und der Kuppel des Salesianerinnenklosters soll nun als neue 3. Dominante das Hochhausprojekt am Eislaufverein die Stadtsilhouette vom Belvedere aus prägen, und zwar genau in der Zentralachse Oberes – Unteres Belvedere. Welches Stadtbild, wenn nicht der Blick vom Belvedere auf die Innenstadt sollte den größten Schutz aufweisen? Mehr als traurig, dass die Stadtpolitik ihre Verantwortung aufgegeben und jegliches Gefühl für das Stadtbild verloren hat. Die Stadt möchte offenbar nur mehr – an der Wiener Bevölkerung vorbei – mit der UNESCO über das Welterbe diskutieren. Jedoch,

UNESCO-Welterbe: Kernzone ist Hochhausauschlusszone!

Das geplante Hochhausprojekte beim Hotel Intercontinental an der Lothringerstraße 22 befindet sich inmitten der Kernzone des Weltkulturerbes (im Gegensatz zum ebenso umstritten gewesenen Wien-Mitte-Projekt vor über 10 Jahren, das „nur“ in der Pufferzone lag). Gegenüber der UNESCO ist die Stadt Wien verpflichtet ihre Verträge einzuhalten, so auch den dazugehörigen Managementplan für das Welterbe. Darin ist ganz klar schriftlich festgehalten, dass Kernzonen Hochhausausschlusszonen sind (Wien, Weltkulturerbe – Der Stand der Dinge, MA 19, 2006, S. 95). Die Stadt Wien nimmt offenbar ganz bewusst den möglichen Verlust des Welterbes in Kauf.

Initiative Denkmalschutz fordert: Kein Hochhaus am Standort Eislaufverein!

Die Initiative Denkmalschutz wird mit aller Schärfe gegen dieses Projekt vorgehen und fordert: Kein Hochhaus am Standort Eislaufverein-Intercont (nicht höher als 35 Meter im Neubaufall; gemäß § 7f. Bauordnung für Wien) sowie keine Aufstockung des Bestandes.

Baubewilligung wird noch dauern: Umwidmung nötig

Für das aktuelle Projekt muss erst ein neuer Flächenwidmungs- und Bebauungsplan beschlossen werden, zu dem auch Bürger ihre Stellungnahmen abgeben können, bis dahin hoffen wir, dass Einsicht und Vernunft in der Stadtpolitik einziehen wird.

Rückfragehinweis:

Markus Landerer und Claus Süss
im Namen des Vorstandes der
Initiative Denkmalschutz
tel.: 0699 1024 4216 (und 0676 / 740 43 27)

Literatur/Quellen:

– Das Areal: Hotel Intercontinental, Wiener Eislaufverein, Wiener Konzerthaus. Ausstellung – Der Architekturwettbewerb der Zukunft, 28. Februar bis 9. März 2014, Hotel Intercontinental, Wien Februar 2014, www.dasbesondereprojekt.at
– Friedrich Achleitner, Verbauung Gartenbau (10.11.1962), in: Nieder mit Fischer von Erlach, Salzburg und Wien 1986, Seite 27f.
– Friedrich Achleitner, Eine Masse ohne Maß – The Vienna Intercontinental Hotel, (21./22.3.1964) in: Nieder mit Fischer von Erlach, Salzburg und Wien 1986, Seite 96ff.
– Intercontinental Wien, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Intercontinental_Wien
– Gartenbauhochhaus, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Gartenbauhochhaus

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Ein Kommentar

  1. Ich bin akad. Maler und Grafiker der sich der Tradition des klassischen Realismus und der Erhaltung der altmeisterlichen Maltechniken widmet. Wenn man sich die Stadtansichten Wiens noch in den 50er o. 60er Jahren des vorigen Jahrhundert ansieht, präsentiert sich Wien noch als homogenes Ensemble. Besonders die Wiener Innenstadt hat sich den letzten Jahrzehnten zu einer der schockierendsten und unharmonischsten Stadtansichten entwickelt die ich kenne. Schwedenplatz, Stephansplatz etz. sind erst der Anfang dieses Bauwahnsinns der sich sei. Es ist Zeit dass sich jeder dem unsere schöne Stadt am Herzen liegt sich endlich gegen den Bauwahnsinn stellen.