Geheim-Einigung der Stadt mit Wertinvest – Heumarkt: Interconti wird ganz abgerissen

Die Tageszeitung „Heute“ meldete am 15. November 2016 die oben stehende Schlagzeile.

 
Das Hochhausprojekt am Heumarkt:
Erst im Mai 2016 stoppte die Stadt Wien auf Betreiben der Vizebgm. Frau Mag. Maria Vassilkou die umstrittene Flächenwidmung für das Areal beim Eislaufverein. Die grüne Planungsstadträtin Mag. Maria Vassilakou war damals für eine „Nachdenkpause“. Nun berichtet „heute“, daß sich Mag. Maria Vassilkou mit den Immobilienspezialisten der Wertinvest (DDr. Michael Tojner, Gerhard Tüchler etc.) sich endgültig darauf geeinigt hat, wie das Hochhausprojekt am Heumarkt in der Kernzone (!) des Weltkulturerbes aussehen soll.

1. Das nur 50 Jahre alte Hotel Intercontinental wird komplett abgerissen.
2. Das neue Hochhaus für Büros, Fitnesscenter etc. wird um lediglich 3 Geschosse niedriger werden, somit 65 m anstatt der 73 m geplanten.
3. Verbreiterung: Damit der Investor auf eine seine verwertbare Quadratmeterzahl kommt, wird das neue Hotel-Gebäude für das Hotel und Konferenzentrum verbreitert, also klobiger.
4. Straße B1: Infolge dessen muss die Fahrbahn der Lothringer Straße um etwa zwei Meter Richtung Grünfläche (!) verschwenkt werden.
5. Unklar ist, wo die dem Eislaufverein versprochenen 6.000 m2 Freiluft-Eislauffläche sein werden.

Eigentümerin der WEV Eislauffläche ist bekanntlich die
Lothringerstraße 22 Projektentwicklungs GmbH, FN:310599p
Geschäftsführer Dr. Thomas Gruber, Gerhard Tüchler

Sie ist die Tochter der
Buntes Wohnen Gemeinnützige Wohnbaugen.m.b.H.
Burggasse 95, 1070 Wien
Telefon: 01/ 52 60 700-0
Aufsichtsrat beim Grundstückdeal in 2008 war: Nationalratsabgeordneter und Rechtsanwalt Dr. Peter Wittmann, SPÖ

die unter verschiedenen Namen firmierte wie
Gemeinnützige Siedlungsges. Aichfeld GesmbH
Burggasse 95 1070 Wien
Pannonia Wohnbau GmbH (FN:113245m) (ohne Gemeinnützigkeit!)
Thomas-Alva-Edison-Straße 2, TZE
7000 Eisenstadt

Zur Geschichte:

Die Lothringerstraße 22 Projektentwicklungs GmbH wurde knapp vor Kaufvertragsabschluß als Buntes Wohnen Immobilienverwaltungs GmbH gegründete und kaufte am 4. Juni 2008 das Grundstück Lothringerstrasse 22 (Eislauffläche des WEV) mit 9.700 m² in bester Innenstadtlage um 4,2 Millionen Euro, (433 Euro pro m²) günstig von einem dem Innnenministerium unterstehenden Stadterweiterungsfonds unter Geschäftsführer Dr. Alexander Janda (damals auch Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds) obwohl keine Genehmigung der Fondsbehörde vorlag. Angebote von 9 Millionen Euro wurden abgelehnt, siehe Rechnungshofbericht Bund 2013/4 GZ860.142/002-181/13 Seiten 11 bis 62.

Dieses Grundstück hat seit den Zeiten des kaiserlichen Glacis mit Fug und Recht keine Bauwidmung, weil es für die Erholung der Wiener Bevölerkung reserviert war. Es ist somit unbebaubar und der Wiener Eislaufverein hat einen bis 2058 gültigen Pachtvertrag für dieses Grundstück.
Die beiden Geschäftsführer der obgenannten Firma spekulieren darauf, daß durch die von Vizebgm Maria Vasilakou neu zu gewährende Höherwidmung
von unbebaubar (Sportplatz)
auf Hochhauswidmung

ein Widmungsgewinn entsteht, sodaß locker ein Geldfluß von 300 Mio zugunsten der Firma und den Immobilienspezialisten entsteht, um die Baukosten und den Gewinn für die „Investoren“ hereinzuspielen.

Auch aus einem zweiten Grund ist das Datum 4. Juni 2008 des Kaufvertrages des Heumarktgrundstückes wichtig, weil wichtige Aussagen gerade an diesem Tag im Wiener Gemeinderat hiezu
• von Frau GR Claudia Smolik, jetzt Büroleiterin von Vizebgm Maria Vassilakou, und
• vom amtsführenden Stadtrat DIR Rudolf Schicker, SPÖ, (Vorgänger von Maria Vassilakou) gemacht wurden:
Wir erinnern an die Anfrage (FSP – 02409-2008/0001 – KGR/GM im Gemeinderat, 34. Sitzung vom 04.06.2008) von Frau GRin Claudia Smolik in der sie den amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe Stadtentwicklung und Verkehr zum Heumarkt zum Schutz des Eislaufvereinsgrundstück aufforderte:
Begründung des Antrags durch Frau GR Claudia Smolik:

„Da es sich hier um ein Grundstück in bester Wiener Innenstadtlage handelt, ist zu befürchten, dass der Eislaufplatz trotz Pachtvertrag des Eislaufvereines bis 2058 einem Immobilienprojekt weichen soll.

Die Gemeinderätinnen Claudia Smolik und Sabine Gretner stellen den Beschlußantrag, daß „der Wiener Gemeinderat sich für den uneingeschränkten Erhalt des Eislaufplatzes aussprechen“ soll.

„Die dem derzeit gültigen Flöchenwidmungsplan P.D.7158 beigelegte Erläuterung, dass das Areal des WEV von Bebauung freigehalten werden soll, wird zur Besonderen Bestimmung (BB) erhoben.“
resolurion-gruene-4-6-2008

Hier die Antwort vom 4.6.2008 vom angesprochenen Stadtrat der Geschäftsgruppe Stadtentwicklung, DI Rudi Schicker:
Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Gemeinderätin!

Der Eislaufverein am Heumarkt ist eine der großen traditionellen Einrichtungen in unserer Stadt. Der Entwurf für dieses Areal stammt aus dem Jahr 1890 von Architekt Baumann, und es ist daher durchaus eine Einrichtung, die schützenswert ist.
Unter der ursprünglichen Bezeichnung „Olympion“ sah das Raumprogramm in diesem Bereich Platz für Konzerte, Eislaufen, Bicycle-Club sowie eine Freiluftarena vor, und die Kunsteisbahn aus 1912 war bis 1927 die größte Europas.

Daher sind dieser Bereich und die Nutzung dieses Eislaufplatzes ein ganz wesentlicher Bestandteil auch des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes aus dem Jahr 2000. Er ist widmungsmäßig abgesichert, und er ist – unabhängig davon, wer Grundeigentümer ist – für die Nutzungen dieser Freizeitgestaltung reserviert.

Wir haben in Reaktion auf die Gerüchte, dass dieses Areal verkauft werden soll – denn öffentlich gemacht wurde das ja nicht vom Wiener Stadterweiterungsfonds, der vom Innenministerium verwaltet wird -, zusätzlich die Bausperre für dieses Gebiet beantragt, um klarzumachen, dass die Stadt Wien nie und nimmer beabsichtigt, diesen Platz für Hochbauten irgendwelcher Natur freizugeben.
Quelle: http://www.wien.gv.at/mdb/gr/2008/gr-034-w-2008-06-04-012.htm

Fakt ist,

daß bisher der für Flächenwidmungen zuständige Gemeinderat noch gar nicht befaßt wurde. Hier hat Vizebgm Maria Vassilakou über die Köpfe der Gemeinderäte entschieden. Wenn der Gemeinderat die Hochhauswidmung nicht beschließt, ist das Projekt der Verbauung des Eislaufvereines gestorben.

daß das derzeitige Hochhausprojekt die Verpflichtungen grob missachtet, die die Stadt Wien bei der Beantragung des UNESCO Welterbeprädikates eingegangen ist. Die UNESCO wird nach schon zweimaliger Verwarnung (2015 bei der Welterbekonferenz in Bonn, 2016 bei der Welterbekonferenz in Istanbul) Wien auf die „Rote Liste“ setzen.

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