Neue Hochhausdebatte um Wiener Ringstraße

Im Ö1 Mittagsjournal 2.2.2015 12 Uhr

Das Investorenprojekt am Eislaufverein kann mit einer Höhe von 73 m zum Präzedenzfall werden, wie Architekt Andreas Vass befürchtet,
„weil es einfach zum ersten Mal ist, dass wirklich innerhalb der Ringstrassenzone im Kerngebiet des Weltkulturerbes ein Hochhaus in dieser Größe geplant wird. Mit welcher Begründung kann man dann einem anderen Investor an einem anderen Standort im Bereich der Ringstrasse einen ähnlichen Wunsch dann abschlagen.“

Das könnte sich bestätigen, wenn man Erich Raith von der TU Wien hört, der eine der wesentlichsten Grundlagenstudien zum „Masterplan Glacis“ erstellt hat: „…und ist dann natürlich auch durch solche Diskussionen über den Eislaufverein befeuert worden, wo man dann gesagt hat, o.k. so etwas brauchen wir jetzt, damit man nicht bei jeder Standortentwicklung, die in dem Bereich passiert, mit der Diskussion wieder bei Null beginnen muß.“

Tatsächlich sieht das neue Hochhauskonzept vor, daß Hochhauser in Wien nur errichtet werden dürfen, wenn die Investoren für einen Mehrwert für die Öffentlichkeit sorgen.

Heftig bestritten wir dieser Mehrwert im Fall des Projektes am Eislaufverein. Reicht es wirklich aus, einen Eislaufverein zu sanieren und einen Turnsaal für ein Gymansium zu bauen, um einen millionträchtigen Luxuswohnturm mitten in die Stadt bauen zu dürfen?

Eine eigenartige Optik entstand auch dadurch, dass der Investor des Projektes am Eislaufverein, Michael Tojner, und Architekt Isay Weinfeld schon vor dem Beschluß des neuen Hochhauskonzeptes mit der Meldung an die Öffentlichkeit gingen, daß nun Hochhausbebauungen entlang der Ringstreasse möglich wären.

Bei manchen Kritiker entstand so der Eindruck, daß in der Wiener Stadtplanung die privaten Investoren tonangebend seien.

In der Tagezeitung „Die Presse“ wurde am Wochenende (31.1.2015) gar die Frage aufgeworfen, inwieweit die Stadt wohl in der Lage sein werde, dem Druck stand zu halten, der durch die Verflechtung der Projektbetreibers mit dem größten Boulevardmedium der Stadt zu erwarten sei.

Thomas Madreiter Planungsdirektor der Stadt Wien sieht sich nur durch das rasante Wachstum Wiens unter Druck gesetzt, allein im Vorjahr gab es ein Plus von 30.000 Einwohner.

Madreiter: „Ich sehe das eher so, die Entwicklung einer Stadt wird eben nicht nur von den regelnden Vorgaben einer Stadtpolitik, und einer Stadtverwaltung getragen, sondern insbesondere auch von Investoren, Entwicklern und Bauträgern. Mit dieser Gemengelage, die immer Chancen und Risiken birgt, muß eine Stadt leben. In dieser Gemengelage ergeben sich irr tolle Projekte.“

Madreiter sagt von konkreten Hohenbebauungen entlang der Rings sei in der neuen Hochhausrichtlinie gar nicht die Rede, sondern von „Stadtreparatur“.

„Eine begriffliche Verschleierung“, wie Architekt Andreas Vass kritisiert, die handfeste ökonomische Begehrlichkeiten mit schwammigen Fachjargon umschmeichle.

Wie auch immer, man darf gespannt erwarten, wie die sogenanten „reparierten“ Flächen in 50 Jahren vor der Votivkirche, am Resselpark, oder vor dem Museumquartier in 50 Jahren aussehen werden.

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2 Kommentare

  1. Claudia sagt:

    Eine Kathastrophe, scheusslich!

  2. spitznagel sagt:

    1. ist dieser Turm häßlich
    2. wird das Projekt zum Präzedenzfall
    3. kann sich kein „klassischer Einwanderer“ eine Wohnung in diesem Schuhschachtelturm leisten.

    Bitte, Hände weg von diesem schrecklichen Projekt!