Podiumsdiskussion am 6. März 2018: “Luxuswohnturm am Heumarkt – wächst Wien in die falsche Richtung?”

Am 6.März 2018 lud das Cajetan Felder Institut zu einer spannenden, sehr gut besuchten, Podiumsdiskussion in den Figaro-Saal des Palais Palffy.

Moderiert von KR Walter Prinz diskutierten DI Mag.Dr. Bruno Maldoner, ehemals im BKA für Weltkulturerbefragen zuständig, Planungsdirektor der Stadt Wien DI Thomas Madreiter, DI Herbert Rasinger, Initiative Stadtbildschutz, NR Dr. Walter Rosenkranz, Kultursprecher der FPÖ und LAbg Ernst Woller (SPÖ), seit 20 Jahren Vorsitzender des Kulturausschusses im Wiener Rathaus.

Diskutanten

Die Frage der rechtlichen Wirksamkeit der UNESCO Welterbekonvention wurde neuerlich beleuchtet, Österreich ist im Jahr 1993 freiwillig beigetreten und hat sich verpflichtet in Bestand und Wertigkeit seiner in seinem Hoheitsgebiet befindlichen Kulturerbes zu schützen und zu erhalten. Diesem internationalen Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (BGBl Nr. 60/1993) sind ca. 192 Saaten beigetreten. Zu schützen ist auch das „Historische Zentrum von Wien“, das die Stadt Wien 2001 auf die Liste der UNESCO Welterbe hat setzen lassen.

Maldoner erwähnte, dass etwa Salzburg das Welterbe in der Stadtverfassung verankert hätte, in Wien ist das noch nicht geschehen, obwohl Wien 2 Welterbestätten hat. In der Wiener Bauordnung ist das Weltkulturerbe noch immer nicht berücksichtigt.

Rasinger forderte, Wien solle zu seinen mehrfach nachzulesenden Zusagen stehen. Seit der Eintragung von Wien in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe sind die Nächtigungen von 7,6 Millionen in 2001 auf 14,9 Millionen in 2016 (fast das Doppelte!) gestiegen. Dass in der Stadtplanung etwas schief läuft ist allein daran schon zu erkennen, dass seit der Eröffnung der U2 in 2013, noch keine einziges Gebäude um die neue U2-Station Aspern Nord steht, siehe Foto. Auch bei der U2-Station Hausfeldstrasse hat keine Stadtentwicklung stattgefunden. Sie wird von der Stadtplanung sonderbarerweise verhindert, weil diese Stadtentwicklungsgebiete mit einem Bauverbot belegt worden sind.

U-Bahn Station Aspern Nord im Hintergrund zu sehen

Madreiter betonte die wenig konkreten Formulierungen in der Welterbekonvention, aus denen “rechtlich nichts zu gewinnen sei”.

Rosenkranz vertrat die Meinung, die Bundesregierung solle eine Verordnungsprüfung der Umwidmung des Heumarkts beim Verfassungsgerichtshof in Auftrag geben. Die Volksanwaltschaft hatte im Juli und Dezember 2017 diese Anlasswidmung beim Heumarkt als Verwaltungsmissstand bestätigt.

Ernst Woller verteidigte die Entscheidung der Stadtregierung für die Umwidmung, das Heumarktprojekt sei großartig, Architekt Weinfeld ein weltberühmter Architekt aus Brasilien, der Investor geradezu ein Wohltäter für die Bevölkerung, der mit diesem Projekt kaum Gewinne mache. Die derzeitige Ansicht des Areals vom Heumarkt her sei nicht sehr schön, das Tojner Hochhausprojekt sei besser. Darstellungen, die diese neue „schöne“ Heumarkt-Seite des Bauprojektes zeigen, wurden bis jetzt weder von Tojner noch von Woller vorgelegt.

Besucher der Podiumsdikussion

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