Wien und sein Welterbe (ORF)

Kulturjournal (ORF) vom 17. Juni 2015 von Sabine Oppolzer

Wird Wien der Weltkulturerbe-Status aberkannt? Jedenfalls steht die Stadt Wien auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung der UNESCO-Welterbekommission, die vom 28. Juni bis 8. Juli in Bonn stattfindet. Der Stein des Anstoßes: das Investorenprojekt am Wiener Eislaufverein.

Ein 75 Meter hoher Turm mit Luxuswohnungen, 30 Meter höher als das Hotel Intercont daneben. Beides auf einer Platte, in der ein riesiges Konferenzzentrum untergebracht ist. Das Siegerprojekt des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld umschlingt den Eislaufverein und drängt den Eislaufplatz selbst hinaus auf den Gehsteig. Das wirft in Wien Fragen auf.

So könnte der Blick vom Belvedere im Jahr 2017 aussehen?!

So könnte der Blick vom Belvedere im Jahr 2017 aussehen?!

Wem gehört die Stadt?

Die Kritiker des Projektes befürchten, dass die Vorteile der Investoren die der öffentlichen Hand bei weitem überwiegen. Aber nicht nur in Österreich haben bisher viele Exponenten der heimischen Architekturszene gegen das Projekt des Investors Wertinvest protestiert.

Auch bei der UNESCO löst das Projekt offensichtlich Empörung aus. Bei der Sitzung in Bonn Ende Juni soll folgendes besprochen werden: der sofortige Stopp aller Bewilligungen von Hochhäusern, Einleitung einer ICOMOS-Begutachtung und Bericht der Stadt Wien bis spätestens Februar 2016.

Masterplan Glacis

Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion im Wien Museum hat das Thema weiterführend besprochen. Durch den 2014 neu erstellten „Masterplan Glacis“ wird ja generell die die Bebauung der Wiener Ringstraße durch Hochhäuser angedacht – eine Ironie der Geschichte, gerade im großen Jubiläumsjahr der Wiener Ringstraße. Sie wird gefeiert als Prachtboulevard, der richtungweisend für viele andere europäische Städte war.

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