Wiener Planungsdirektor widerspricht sich selbst:

Zerstörung des Wiener Ringstrassenensembles

Obwohl nach seiner eigenen Einschätzung „noch wesentliche Vorfragen zu klären“ sind – lässt der Beamte Hochglanzbroschüren mit dem Hochhausprojekt im Weltkulturerbe verteilen. Verdacht auf Amtsmissbrauch?

Der Wiener Planungsdirektor DI Thomas Madreiter war im ORF-Interview offenbar ein wenig zu „offen“. Nachdem er im Mittagsjournal vom 2. 2. 2015 über seine bevorstehende Befürwortung des Eislaufplatz-Luxus-Hochhauses mit dem Bevölkerungswachstums Wiens „begründet“ hatte , musste er zwei Tage später zurückrudern. Am 4.2.2015 (OTS0063 Mi, 04.Feb 2015) nahm er Bezug auf sein Interview.

Unter dem Titel „Madreiter: Noch keine Entscheidung über Umwidmung am Heumarkt“ der Weltkulturerbezone läßt er über die Magistratsdirektion der Stadt Wien ausrichten, daß „tatsächlich noch wesentliche Vorfragen für eine mögliche Umwidmung zu klären seien“.

Demgegenüber steht trotz dieser angeblich ungeklärten Vorfragen fest, daß er in seinem Büro eine von der Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung herausgegebene 54-seitige Hochglanzbroschüre seit Juni 2014 verteilt, die auf den Seite 14, 15, 32 und 33 neben dem Winterpalais Prinz Eugen, Stadtpalais Liechtenstein etc. als „konkretes Beispiel“ auch das 73 m hohe Eislaufplatz-Hochhaus zeigt; vor dem Hochhaus ist die Bundestrasse 1 nur von einem Pferdefuhrwerk (!) befahren dargestellt. Die irreführende Visualisierung des Verbauungsprojekts stammt vom Investor selbst. Diese Broschüre ließ er durch einen seiner Mitarbeiter sogar bis in den Nahen Osten bringen und beispielsweise 2014 nach Doha zu einer internationalen UNESCO Konferenz.

Ferner sagte Stadtbaudirektor Thomas Madreiter, daß „von konkreten Höhenbebauungen entlang der Wiener Rings in der neuen, knapp vor Weihnachten am 19.12.2014 beschlossenen Hochhausrichtlinie gar nicht die Rede sei, sondern nur von „Stadtreparatur“.

Es ist eine Irreführung der Öffentlichkeit, die Bebauung eines unbebauten Eislaufplatzes mit einem 73 m hohen Luxus-Wohnturm für Millionäre als „Stadtreparatur“ zu bezeichnen.

Durch die neue Hochhausrichtlinie vom Dezember 2014 wurde der von Wien mit der UNESCO vereinbarte Grundsatz „Kein Hochhaus in der Weltkulturerbezone Innere Stadt“ aufgegeben. Nun ist der Ansturm von Investoren, die das Ringstrassenensemble mit bis zu 10 weiteren Hochhäusern „reparieren“ wollen, voll ausgebrochen.

Die größte Tageszeitung Österreichs, die „Kronenzeitung“, berichtet verantwortungsvoll über die Bürgerbestrebungen in Wiens Aussenbezirk Penzing für ein Unesco Weltkulturerbe „Otto Wagner Spital“; aber sie schweigt zu diesem Anschlag auf die Erhaltung des Weltkulturerbes „Wien Innere Stadt“. Warum?

Share

Kommentare sind geschlossen.